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15. Drogen - Honi Soit Qui Mal Y Pense

In Paraguay werden, wie in anderen südamerikanischen Ländern auch, Drogen angebaut. Ich bin kein Experte, aber ich nenne sie der Einfachheit halber einmal Marihuana. Die Pflanze wächst auch wild, und sie sieht dem Heilkraut Suiko zum Verwechseln ähnlich. Leute der Staatsanwaltschaft sagten mir, Marihuana-Pflanzen würden einen typischen Geruch verstömen und bei Nacht „leuchten“. Ich weiß es nicht, aber wer will, mag das nachprüfen.

Paradox scheint, daß gerade Drogendelikte in Paraguay hart und unbarmherzig verfolgt werden. Einmal sicherlich, weil Paraguay als Transitland bei diesem Thema eine schlechte Auslandspresse hat. Andere vermuten Hintergründe in der jüngsten Politik. Wieder andere sehen die Konkurrenzsituation dieser Branche als Triebfeder.

Das Warum braucht uns eigentlich nicht weiter zu interessieren. Entscheidend ist, daß Sie es mir einfach einmal glauben, daß Drogendelikte neben dem sexuellen Mißbrauch Minderjähriger Sie in Schwierigkeiten bringen, die Sie in ihrem Ausmaß nicht ansatzweise erahnen. Stammtisch-Meinungen sagen, daß man sexuelle Abenteuer mit Minderjährigen (s. auch Punkt 11: Licht und Schatten) mit etwas Geld immer aus der Welt schafft. Das mag vielleicht sein, solange das Hauptinteresse der Eltern des/der Minderjährigen der Geldforderung an Sie zum Ausgleich "des Schadens" gilt. Sollten Sie aber an Eltern geraten, denen das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt und/oder die Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden, dann wendet sich das Blatt abrupt und unumkehrbar, und Sie wandern genau wie bei Drogendelikten unabwendbar, unaufschiebbar und auf direktem Wege in den Bau. Ich halte das für vertretbar und zum Wohle unser aller Kinder für absolut wünschenswert, ... wenn die Anschuldigungen denn stimmen, worauf es aber erst irgendwann im Schritt 2 und 3 des Verfahrens bzw. nach Monaten in der Haftanstalt ankommt.

Zurück zum Thema.... Wie dem auch sei: es empfiehlt sich nicht, Sonntagsausflüge in die Drogen-Anbaugebiete zu unternehmen, die mehr oder weniger gut bekannt und noch besser bewacht sind. Versuchen Sie auch, die typisch deutsche Angewohnheit zu unterdrücken, das nächste Polizeirevier von Ihren Vermutungen und Sichtungen zu unterrichten. Die Beamten dort wissen bestimmt besser Bescheid, als Sie annehmen.

Wichtig für Sie ist vor diesem Hintergrund nur eines: denken Sie nicht, Paraguay als Anbauland, Entwicklungsland und „rechtloses Land“ würde Ihnen nun freie Hand lassen, um mit den Drogen so umzugehen, wie Sie es für richtig halten.

10 Gramm Eigenbedarf sind laut Gesetz erlaubt. Auch der Verbrauch steht nicht unter Strafe. Der Besitz allerdings schon, und der Handel damit sowieso. Wenn Sie die Gefahr lieben, versuchen Sie mal die Gratwanderung zwischen geringem Eigenkonsum und nicht erlaubtem Besitz. Falls Sie dagegen den Drogenhandel für sich entdecken wollen, ist das Gesetz Ihr geringstes Problem.

Halten Sie sich auch nicht sklawisch an den genannten Mengen oder Verfahren fest, denn die Justiz tut es im Zweifelsfall auch nicht, jedenfalls nicht zu Ihren Gunsten. Auch von Ihrem Anwalt sollten Sie keine Wunder erwarten, denn bei Drogendelikten gibt es weder Haftverschonung noch „Rundum-Sorglos-Deals“.

Die Strafe liegt, nachdem Sie mindestens sechs (!) Monate unter teils erbärmlichen Bedingungen in Untersuchungshaft abgesessen und viel Geld für Anwälte investiert haben, zwischen zwei Jahren (nur diese Mindeststrafe kann mit sehr, sehr viel Glück und Geschick und bei nachgewiesener Drogenabhängigkeit IM ABSOLUTEN AUSNAHMEFALL gegen Auflagen zur Bewährung ausgesetzt werden) und vier Jahren, bei schwereren Fällen auch von acht bis fünfzehn (!) Jahren. Die Spanne ist breit und läßt Raum für Interpretationen und „Ermittlungen“ der Justiz.

Stellen Sie sich gedanklich bitte darauf ein, daß im krassen Gegensatz zu Ihrem westeuropäischen Rechtsempfinden im Zweifelsfall eher GEGEN den Angeklagten entschieden wird.

Je höher die Menge, desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß Oberstaatsanwaltschaft und Drogenbehörde sich interessieren, denn auch hier gibt es rechtschaffene Leute, die sich mit Erfolgen im Kampf gegen den Drogenhandel profilieren und ihre Sporen verdienen wollen. Ganz allgemein: je mehr Öffentlichkeit und (im schlimmsten Fall internationales) Interesse eine Strafsache genießt, desto geringer werden die Chancen, diese elegant beilegen zu können.

Falls Sie einen kurzen Gedanken an die Deutsche Botschaft, den Europäischen Gerichtshof, Menschenrechtsorganisationen oder ähnliche Institutionen verschwendet haben, so vergessen Sie diese naiven Gedanken am besten gleich wieder. Die Gesetzeslage ist klar und hart, und Verfahrensfehler, die kleine Hintertür, gehören zum Geschäft und bringen keine ausländische Institution zur Intervention. Ganz im Gegenteil: der Versuch der Einflußnahme bringt zuständige Staatsanwälte oder Richter sogar dazu, sich einzuigeln, auf den Buchstaben des Gesetzes zurückzuziehen und den Selbstschutz zu erhöhen. Außerdem verlangt doch gerade das Ausland ein härteres Durchgreifen gegen die Drogen. Da muß man dann dem willigen Staat in der Anlaufzeit auch gewisse Mängel in der handwerklichen Durchführung durchgehen lassen.

Das hilft IHNEN natürlich nichts. Noch nicht gemerkt? Sie sind jetzt in der Rolle des Statisten, des Passiven, und der Rest um Sie herum beschäftigt sich mit sich selbst und versucht, nach allen Seiten einen guten Eindruck zu machen. Wenn Sie sich jetzt hilflos und ausgeliefert fühlen, dann bekommen Sie ein recht zutreffendes Gefühl für Ihre tatsächliche Lage, wenn Sie in die beschriebene Situation geraten sollten.

Das Auswärtige Amt (www.auswaertiges-amt.de) drückt dies in den länderspezifischen und ständig aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen diplomatisch korrekt wie folgt aus (Stand 03.03.2014):

"In den letzten Jahren wurde Paraguay verstärkt von Drogenkurieren als Transitland genutzt. Die paraguayische Anti-Drogenbehörde SENAD verzeichnet seit längerem international anerkannte Fahndungserfolge; in den Gefängnissen von Asunción sitzen auch Europäer wegen Drogenschmuggels ein. Die Haftbedingungen sind hart (Überbelegung der Haftanstalten, mangelnde Hygiene und Versorgung), die Prozesse langwierig. Zu den Betreuungsmöglichkeiten der Botschaft gehört die Vermittlung eines Vertrauensanwalts.

Sollten Sie aus irgendeinem Grund festgenommen werden, bitten Sie in jedem Fall um sofortige Unterrichtung der Botschaft, die über ein Bereitschaftsdiensttelefon jederzeit zu erreichen ist."

Es ist also auch hier keine Rede von einer wie auch immer gearteten Intervention der Botschaft, die Ihnen eine Sonderbehandlung sichern könnte.

Ach, man hat Ihnen die Drogen zugesteckt? Na, dann haben Sie ja noch einmal Glück gehabt, wenn Sie das jetzt auch noch hieb- und stichfest beweisen können und auch selbst die Zusammenhänge ermitteln. Sonst könnte da ja jeder kommen. Dann sitzen Sie vielleicht tatsächlich nur für die Dauer der staatsanwaltlichen Ermittlungen von ca. sechs Monaten.

Sympathisch finde ich immer, wenn dann wie aus dem Nichts und zu Fuß „wichtige und einflußreiche“ Lichtgestalten auftauchen, die vorgeben, sie hätten einen Diplomatenpaß, arbeiteten für ein wichtiges Ministerium, gehörten einer Menschenrechtsorganisation an (ach ne, kann nicht sein... Ausweise leider vergessen...) und meinen, sie stünden über den nationalen Gesetzen und hätten auf einer höheren Ebene direkten Zugang zu den Entscheidern und keine wirtschaftlichen Interessen – ganz im Gegensatz zu den verpönten Anwälten, die auf Grundlage der Gesetze und vor allem nach den geltenden „Spielregeln“ versuchen, IHRE Karre aus dem Dreck zu ziehen und zu retten, was denn überhaupt noch zu retten ist. Gern hören sich Anwälte, Staatsanwälte, Richter, andere Funktionäre und auch Presse und TV (die ja für Novelas immer sehr aufgeschlossen sind) die gewichtigen Argumente und sogar die Drohungen dieser Gestalten an, um diese dann mit einem milden Lächeln wieder ins Nimmernimmerland zu entlassen.

Erfolglos ist dieses Bemühen der furchtlosen Streiter jedoch nicht. Nun haben Sie als Verdächtigter oder Angeklagter, für den die Anwälte hinter den Kulissen die hauchdünnen Fäden ziehen, die Bühne und die Aufmerksamkeit aller gewonnen, so daß jeder, der Entscheidungen zu fällen hat und sich nun im Rampenlicht der nationalen und internationalen Öffentlichkeit und der übergeordneten Behörden sieht, ein Höchstmaß an Korrektheit und Gesetzestreue demonstrieren muß und WIRD, damit nur ja kein Schatten der Bestechlichkeit auf ihn fällt. Spätestens jetzt werden Ihre allgewaltigen Helfer sich geräuschlos verabschieden. Honi soit qui mal y pense!


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