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12. Eine Frage der Ehre

Die Einstellungen unserer paraguayischen Gastgeber (erlauben Sie mir in diesem Fall bitte die unzulässige Verallgemeinerung) sind, ab einem gewissen Bildungsniveau, absolut identisch mit denen eines Mitteleuropäers. Gewalt, Korruption, Drogenhandel, Steuern, Politiker, Sport, Models, Autos, Sex: Sie würden es kaum merken, wenn Sie "Popular" mit "BILD" vertauschen würden. Wieso dann diese gefühlte, oft bemühte "outlaw" Situation? Wieso die rechtliche Unsicherheit und Unkalkulierbarkeit, obwohl der Código Civil ans BGB angelehnt ist?

Wenn man bereit ist, tolerant die Existenz einer anderen Lebenswirklichkeit, einer uns fremden Problemlösungsmethodik und "Logik" an sich herankommen zu lassen (also runter vom Podest des deutschen Übermenschen!), dann ist es eigentlich einfach: weil jeder im Strom der Reichen und Mächtigen, die außerhalb des Gesetzes zu stehen scheinen und die Richtung des Landes (übrigens wohl nicht nur hier) bestimmen, mitschwimmen muß, um nicht unterzugehen, und weil jeder sein privates Leben lebt mit seinen eigenen privaten Problemen, die nach "unkonventionellen" Lösungen schreien. Warum soll man päpstlicher als der Papst sein, wenn andere sich durch einen Pakt mit dem Teufel Vorteile schon im Diesseits erschleichen und auf der Überholspur des Konsums vorbeiziehen. Toyota Hilux, Cancún, Rio, Villa, Models, ….
Es ist ja nur eine kleine Nothilfe zur Selbstbehauptung oder einfach nur, um Schritt zu halten. Quasi Notwehr. Ansonsten ist man gegen Korruption und Bestechung.

Das Gewerbe blüht.
Ein fähiger Anwalt sagte mir einmal, daß seine hervorragende Ausbildung zweitrangig sei, weil Verfahren anders gewonnen oder verloren würden. Die Zulassung sei lediglich die Eintrittskarte, um beim "Jura-Poker" der hohen (Klienten-) Einsätze überhaupt mitspielen zu dürfen. Die Regeln des Spiels stehen dann allerdings weder im BGB noch im Código Civil (kennen Sie den Film "Eine Frage der Ehre" mit Tom Cruise?). Die Gesetze bilden den Rahmen, den Ring. Die Kämpfer richten Ihre Strategie und Taktik dann aber weit weniger an den Paragraphen aus als an der konkreten Konstellation der privaten und kollegialen Kontakte, politischen Verbindungen, Verhandlungsgeschick, wirtschaftlicher Macht und Geld. Soweit so gut. Das ist einfach, und das kapieren wir, wenn es auch einen schalen Nachgeschmack des Ausgeliefert-Seins hinterläßt.

Was lernen wir daraus? Daß man mit seiner typisch deutschen Rechthaber-Mentalität, der Kenntnis der Paragraphen und der formalen Abläufe nicht unbedingt (bzw. gar nicht) sehr weit kommt. Wir lernen zudem, daß man vieles nicht wird "verstehen" können, weil es eben nicht allgemeingültig, nachlesbar, ableitbar, logisch im bekannten Sinne ist sondern von vielen Variablen beeinflußt wird, von denen man als Anhänger des westlichen Rechtssystems aber auch rein gar nichts versteht.

Ich habe mich anfangs immer über die Gelassenheit vieler Anwälte gewundert, wenn ich bei irgendwelchen Verfahren als Dolmetscher verpflichtet war. Andererseits: es ist doch nur ein Spiel, spannend, gut bezahlt und vielleicht sogar süchtig machend. Das Spiel der "Macht" (damit kein Mißverständnis entsteht: Sie sind dabei weder Königin noch Läufer oder Turm. Sie sind der Bauer). Und - nicht zu vergessen - der Anwalt gewinnt immer. Beide natürlich. Die Rechnung zahlt der Klient. Einer von beiden. Eigentlich egal, wer. Es gibt zudem nicht wenige ordentliche Deutsche, die dem Anwalt bereits vorab in der legitimen Hoffnung auf einen prompten Sieg einen "Vorschuß" in Höhe einer (fast) lebenslangen Arbeitsleistung (des Anwalts) zahlen. Wo soll da Streß aufkommen?

Nicht vergessen: das Spiel ist vielschichtig, launisch, unberechenbar. Aber mitspielen und gewinnen kann jeder. Wie beim Hütchenspiel. Hüten Sie sich davon, durch hahnebüchene Klagen oder Anzeigen dazu gezwungen zu werden.

Vor diesem Hintergrund sollte man einige “überfällige” Klagen gegen Nachbarn und andere Zeitgenossen, die "hinter Gitter gehören" oder einem einfach nur ein Dorn im Auge sind, noch einmal nüchtern überdenken.


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